Pioneering Teacher

Lucia Darling Park

 

 

More Than Petticoats - Remarkable Montana Women - von Gayle C. Shirley

 

 

          Lucia Darling stand auf der Hügelkuppe des Salt Lake Hill und betrachtete skeptisch das Tal vor ihr. In den letzten drei Monaten waren sie und Andere in einem Wagenzug, in der Überzeugung auf das “Valley of Promise” zu treffen, unerschütterlich über Berge und Ebenen gezogen. Am 18. September 1863 hatten sie schlussendlich ihr Ziel erreicht, und das was sie sahen würde Lucia später so beschreiben: “nicht ermutigend.”

          Unterhalb von ihnen, an den Ufern des Grasshopper Creek lag ausgestreckt das schludrige Minencamp, bekannt als Bannack City - Ort des ersten bedeutenden Goldfundes in einem Gebiet, das später Montana werden würde. Lucia stellte fest, dass dort “Hütten in verschiedenen Grössen und Bauarten waren. In der Ferne waren, das am meisten auffällige das man sehen konnte, die Galgen, die angemessen nahe dem Friedhof in Hangman’s Gulch, jenseits des Ortes, errichted waren.”

          Als Lucia und ihre Begleiter wortlos und enttäuscht auf ihr neues zu Hause schauten, beschrieb ein Vier Jahre alter Junge aus ihrer Gesellschaft mit wenigen Worten, was wohl alle gedacht haben mögen: “Sag, Papa”, sprach er, “ich denke, Bangup(Bannak) ist ein Humbug.”

          Die dreiundzwanzigjährige Lucia war zu diesem rauen, grausamen Ort mit ihrem Onkel, Sidney Edgerton und seiner Familie gereist. Zu Beginn des Jahres war Edgerton von Präsident Abraham Lincoln zum Oberrichter des neu enstandenen Idaho Territoriums, welches damals das ganze Gebiet umfasste, welches nun Montana ist, ernannt worden. Sie und die Edgertons hatten daraufhin ihre Sachen gepackt und verliessen ihre Heimat in Tallmadge, Ohio, um via Zug, Schiff und Planwagen den Westen zu erreichen.

          Als sie in Bannack ankamen, wurden sie in einem einfachen Haus mit fünf Räumen am Ufer des Grasshopper Creek, ein Nebenfluss des Beaverhead Rivers, untergebracht. Obwohl das bescheidene Hüttchen mit seinem einfachen Grasdach und seinem einzigen kleinen Fenster überhaupt nicht wie das Häuschen mit dem Palisadenzaun aussah, das sie zurückgelassen hatten, kam es Lucia fast wie “heimelig und angenehm” vor, nachdem sie Teppiche über den Fussboden geworfen und Bilder an die Musselin bekleideten Wände gehängt hatten. Lucia erklärte mit ihrem charakteristischen Optimismus, “man ist, nach monaten harter Reise, nicht bereit wählerisch mit dem Haus, das man besetzt, zu sein.”

          Bannack war 1863 ein turbulenter und gesetzloser Platz, ein Durcheinander von Kneipen, Spielhöllen und Hurdy-Gurdy Häusern (Hurdy-Gurdy ist ein Leierkasten, hier ist wohl ein Musikhaus oder Bordell gemeint), zum Bersten voll mit Bergarbeitern. Die Möglichkeit Gold zu erhalten - allein eine geschätzte Menge Gold im Wert von fünf Millionen Dollar war bereits im ersten Jahr aus der Schlucht geholt worden - hatte eine beachtliche Gruppe notorischer Banditen angezogen, angeführt von niemand anderem als dem charmanten, imposanten hiesigen Sheriff, Henry Plummer.

          Eine Bewohnerin Bannacks aus früheren Tagen, Emily Meredith, beschrieb eine sehr direkte Beurteilung der Stadt in einem Brief an ihren Vater, den sie im April 1863 geschrieben hatte.

 

Ich weiss nicht, wieviel Tote es in diesem Winter gegeben hat, aber es waren nicht wenige wenn man die völlig klare Tatsache anschaut, dass betrunkene Männer nicht gut schiessen. Es gibt Zeiten, da ist es wirklich lebensgefährlich über die Hauptstrasse auf der anderen Seite des Baches zu gehen. Die Kugeln fliegen nur so durch die Gegend und niemand denkt daran, die Männer dafür zu bestrafen, dass sie sich gegenseitig erschiessen. Was denkst du über einen Platz, an dem man offen mit einer Waffe durch die Strasse geht, um jemanden zu erschiessen, gegen den man irgend einen Groll hegt, und niemand ist da, der es verhindert?

 

          Granville Stuart, einer der ersten erfolgreichen Goldsucher und Rinderzüchter in Montana und später auch einer der prominentesten Einwohner, hatte einen gleich trüben Eindruck von diesem Platz. In seinem Buch: “Forty Years on the Frontier”, schrieb er:

 

Die reichen Funde am Grasshopper Creek zog einige windige Typen an und ich glaube, es waren mehr Desperadoes (Galgenvögel) und Gesetzlose während des Winter 1862-3 in Bannack, als jemals in einem Bergbaulager der gleichen Grösse je gewesen sind. Morde, Diebstähle, Gefahrensituationen durch Schiessereien fanden regelmässig statt... Da war keine Sicherheit für Leben, Hab und Gut. Nicht mehr, als jeder einzelne mit seinem zuverlässigen Gewehr für sich selbst sichern konnte.

 

          Doch Stuart anerkannte auch, dass das anständige Volk bald den Gesetzlosen zahlenmässig überlegen und begierig war, wenigstens den Anschein von Zivilisationen in diese junge Siedlung zu bringen. Als es sich herumgesprochen hatte, dass Lucia in Ohio Lehrerin gewesen war, kamen Eltern aus Bannack zur ihr und baten sie inständigst eine Schule für ihre Kinder zu eröffnen. Lucia stimmte zu.

          Ihre erste Aufgabe war es einen angemessenen Schulraum zu finden. Von ihrem Onkel eskortiert besuchte sie den in der Stadt prominentesten Landbesitzer, um ihn zu fragen, ob er einen Platz zur Verfügung stellen könne. Einundvierzig Jahre später, 1904, konnte sie sich immernoch lebhaft an dieses Zusammentreffen erinnern.

 

Mit etwas Mühe fanden wir seine einfache Residenz und klopften laut an die Tür. Eine zeitlang antwortete niemand, bis schlussendlich eine Männerstimme rief: “Reinkommen”. Als wir die Tür aufmachten, sahen wir im schwachen Licht einen Mann auf Büffelfellen auf dem Boden liegen. Er stand wegen uns nicht auf, denn er war noch nicht vollständig vom überschwenglichen Genuss seines Lieblingsgetränks gesundet, von dem er eindeutig zuviel genossen hatte, und seine Stimme war immer noch nicht gut zu verstehen. Mein Onkel gab ihm den Grund unserer Anfrage an. “Ja, das ist gut”, sagte er, “V_____te Schande, Kinder rennen in den Strassen umher statt in der Schule zu sein. Ich werde alles in meiner Macht stehende tun um ihr zu helfen, sie kann den Raum haben... Ich werde ihn ihr günstig geben. Sie soll ihn für fünfzehn Dollar im Monat haben... Das ist verdammt günstig.”

 

          Die ungemütliche Hütte, mit ihren dreckverschmierten Wänden, dem Grasdach und erdigen Boden betrachtend, entschied Lucia; ja, der offerierte Platz war äusserst schmutzig und in keinster Weise günstig.

          So geschah es, dass sie ihre Schule im Vorzimmer Edgertons eigenem Haus, oft als die erste Schule in Montana beschrieben, eröffnete und im Schatten der Galgen, die bald stark genutzt werden würden.

          Lucia Aurora Darling war am 9. Oktober 1839 nahe Kalamazoo, Michigan geboren. Ihre Mutter starb, als sie Zehn war, so zog sie nach Ohio, um bei ihren Verwandten den Edgertons zu leben. Sehr gut ausgebildet, begann sie die Public School mit vierzehn, um Lehrerin zu werden.

          Obgleich Lucia’s frühes Leben komfortabel und behütet war, hatte sie eine muntere, unerschrockene Natur, die ihr während der Reise westwärts zugute kam. Ihr Mut und ihr hoher Geist während der langsamen und beschwerlichen Reise ins Idaho Territorium sind offensichtlich in ihren Tagebüchern zu erkennen. Lucia und ihre Familie reisten mit dem Zug nach Saint Joseph, Missouri, um dann mit dem Schiff nach Omaha zu reisen. Dort verbrachten sie eine Woche damit, einen Planwagen, Ochsen, Gewehre, Milchkühe, Ponies für die Kinder und einen Hund, von dem sie hofften er würde für sie jagen und wachen, kauften. Zusätzlich stockten sie ihren Proviant mit: Speck, Schinken, Kaffee, Tee, Salz, Zucker, getrockneten und konservierten Früchten auf. Die Frauen kauften seidene Masken, die ihre Haut vor Sonne, Wind und Regen schützen sollte. Schlussendlich packte die Gruppe von sechzehn Personen, die Lucias Cousin Wilbur Fisk Sanders einschloss, ihre Habseligkeiten in ihre Wagen und zogen Richtung Westen.

          Das Leben auf dem Oregon Trail wurde bald zur eintönigen Routine. Die Emigranten standen früh auf und nahmen ein herzhaftes Frühstück aus Kaffee, Speck oder Schinken, Keksen oder Pancakes, Bratensosse oder Milch zu sich. Sie hielten für ein oder zwei Stunden um die Mittagszeit und hielten dann später früh genug an, um das Abendessen vorzubereiten, die Kühe zu melken, eine Zeltplane aufzustellen, dann suchten sie Feuerholz um ein kleines Feuer vor der Dunkelheit zu bekommen. Um sich zu unterhalten und ihren Geist wach zu halten, verwöhnten sie sich mit einer “lustig-fröhlichen Zeit”, in der sie sangen und sich Geschichtchen im Mondlicht erzählten, oder sie spielten Dame während des Essens. Lucia, in Baumwollkleider und Kordhaube, wanderte vom Wagenzug weg, um die lokale Gegend zu erkunden. Sie verbrachte die Zeit auch mit lesen, schlafen, sammeln und pressen von Wildblumen, und schrieb manchen Brief nach Hause.

          Jeden Tag, kam der Edgertons’ Wagenzug zwischen zehn und zwanzig Meilen näher an Bannack heran, manchmal in strömendem Regen. Immer wieder zogen sie an hunderten, verfaulenden Büffelkadavern vorbei, wie auch an vielen Gräbern von unglücksseligen Reisenden. Am 3. Juli beschrieb Lucia:

 

„Kamen an einem kleinen Grab auf unserem Weg vorbei, auf dem Brett am Kopfende stand “Lora Hough”. Das Zeichen stimmte uns sehr traurig, da wir noch eine lange Reise vor uns hatten und uns nichts Schlimmeres geschehen könnte, als einen unserer Mitglieder in einem einsamen Grab zurücklassen zu müssen.“

 

          Die Reise war immer ermüdend, manchmal auch beängstigend, und oft unbequem. Lucia badete in schlammigen Flüssen und kalten Bergbächen, schlief in einem überfüllten Wagen oder auf dem harten Boden darunter und holte sich beim kochen, über dem Feuer eines kleinen Herdes, Blasen an die Hände. Sie nahm auch am Wachdienst teil, die Nacht wegen Indianern, Bären und hungrigen Wölfen, mit einem geladenen Gewehr an der Seite, beobachtend. Schlussendlich hatte die Gesellschaft mehr Probleme mit den Moskitos als mit einheimischen Menschen oder wilden Tieren.

          Lucia und ihre Familie schienen das Grösste Elend darin zu haben ihre Reise immer wieder in Schwung zu bringen. Einmal, als einer der Männer mit leeren Händen von der Jagd zurückkehrte, beschrieb sie die Reaktion der Gruppe in ihrem Tagebuch: “ Als wir ihn kommen sahen, dachten wir, er habe eine Beute über seinen Schultern, was sich allerdings als seine Stiefel herausstellte”, schrieb sie, “und diese verlangten wir als Zutat für das Abendessen, weil er nichts anderes gebracht hatte.”

          Trotz ihrem ersten wenig begeisternden Eindruck von Bannack, müssen Lucia und ihre Familie erleichtert gewesen sein, das Ende dieser Reise erreicht zu haben. Aber wie Lucia bald herausfand, war das Leben für die ungefähr dreissig Hausfrauen in der Stadt ungewohnt eingeschränkt. Wie sie ihrer Cousine, Martha Edgerton Plassman, beschrieb:

 

... da gab es keine Besuche zwischen den Frauen... Frauen blieben zu Hause und fanden immer sehr gute Gründe sich in der Zweckmässigkeit ihres Fernbleibens zu rechtfertigen. Einkaufen gehen hätte als Vergnügen entgegengenommen werden können, aber Einkaufen war nicht sicher, wo Pistolen das Hauptvergnügen von manchem der männlichen Bewohner spielen...

          Geschäften, man muss dies als Teilnahme eines Beutezuges in feindliches Land verstehen, musste nicht nur wohlüberlegt sein. Wie bei den frühesten Pionieren, waren es die Männer, die den grössten Teil der Besorgungen erledigten und natürlich auch den ganzen Klatsch und Tratsch verbreiteten.

 

          Darum unterhielt sich Lucia selbst mit nähen, lesen und singen. Wenn sie sich aus dem Haus wagte, das war normalerweise um reiten zu gehen und Beeren zu sammeln - und, natürlich, um Schule zu geben.

          Lucia’s Schule wurde im Oktober 1863 eröffnet. Zu Beginn kamen ihre etwa zwölf Schüler nur am Morgen in die Schule. Sie besassen weder zu schreiben noch Schulbücher, nutzten aber was immer sie nehmen konnten. Der Raum wurde durch einen Holzofen geheizt und musste wegen sehr kalten Temperaturen im Dezember geschlossen werden. Der Unterricht wurde im Frühling wieder aufgenommen.

          In der Zwischenzeit, wurden Lucia’s Schüler Zeugen eines der furchtbaren Kapitel in der Geschichte Montanas. Der über hundert Morde und Raubüberfälle, die auf die Plummer Gang zurückzuführen waren, überdrüssig, bildeten, zwei Tage vor Weihnachten, einige Männer aus dem Goldcamp von Bannack, Virginia und Nevada City - Lucia’s Cousin Wilbur Fisk Sanders einer der bekanntesten unter ihnen - im Geheimen ein “Bürgerwehrkomitee”. Ihre Absicht war es, das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen und die Mühlen der Justiz voranzutreiben.

          Im folgenden Monat, exekutierte die Bürgerwehr zweiundzwanzig Galgenvögel, vier davon in Bannack. Am 10. Januar 1864 hingen die Körper von Sheriff Plummer und zwei seiner Konsorten am Galgen in Hangman’s Gulch, wie von Lucias Heim und Schulraum zu sehen war. Ein anderer Mann, “Dutch John”, teilte zwei Tage später deren Schicksal am Strick.

          Obgleich Lucia’s Schule als die Erste in Montana bekannt geworden ist, war sie nicht die Erste Schule in der Region. Katholische Missionare unterrichteten einheimische Indianerkinder in den frühen 1840ern, und eine andere Schule für Kinder von Händlern war im Frühling 1861 in Fort Owen, im Bitterroot Valley, gegründet worden. Während des Sommers 1863, unterrichtete Kate Dunlap in Nevada City, und Mrs. Henry Zoller unterrichtete Erstklässler zwei Monate lang in Bannack.

          Aber Lucia kann sehr gut als die erste Montanaierin beschrieben werden, die in einem eigens zu diesem Zweck errichteten Gebäude unterrichtete. Am Anfang des zweiten Jahres ihrer Schule, als die Einschreibungen zwanzig Studenten überstiegen und das Edgerton Heim zu klein dafür wurde, bauten ein paar Männer ein Schulhaus auf der anderen Seite des Grasshopper Creek. Später wurde es auch für die Komiteetreffen des Gebietsparlaments genutzt.

          Als dies geschah, spielte ein anderes Mitglied Lucia’s Familie eine bahnbrechende Rolle in Montanas Bildung. Ihr Onkel Sidney Edgerton - Erster Gouverneur des Montana Territoriums - überzeugte das Parlament ein einheitliches Schulsystem zu bilden.

          Lucia und die Edgertons blieben nicht lange in Montana. Im Jahre 1865 kehrten sie nach Ohio zurück und kurz nachdem der Bürgerkrieg endete, zog Lucia nach Selma, Alabama, um befreite Sklaven zu unterrichten. Neun Jahre lang diente sie als Direktorin der Frauenabteilung der Berea Hochschule in Kentucky.

          Am 17. September 1885 heiratete Lucia Servetus W. Park, ein erfolgreicher Banker und Geschäftsmann, der zwei Kinder aus erster Ehe hatte. Sie zogen nach Warren, Ohio, um, wo Lucia eine unermüdliche Mitarbeiterin in Kirche und Stadt war. Sie war eine so grosse Bereicherung für ihre Gemeinschaft, dass ihr Tod am 18. August 1905 deutlich sichtbar auf der ersten Seite der Lokalzeitung gemeldet wurde. Man beschrieb Lucia als eine “Frau von ungewöhnlicher Intelligenz, kombiniert mit seltenem Taktgefühl und einem Herzen voll von Mitgefühl”.

          Auch wenn ihre Zeit in Bannack kurz war, Lucia Darling Park spielte eine wichtige Rolle in Montanas Entwicklung. Mit ihr kam der Einfluss der Bildung in das neue Territorium, somit half sie den neuen Bürgern und förderte seine Hoffnung in die Zukunft.

www.wiwasteka-allegra.com



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